Innerer Frieden

Vorgestern abend hatte ich wirklich ein Geistes Blitz gehabt. Den Nachmittag nahm ich mir die Zeit für mich selber. Zwischen drin schrieb ich wieder mit der einen schönen Frau. Wir hatten ein interessantes Thema gehabt. Da sie gerade mal wieder im Zwiespalt war was ihre Gefühle für eine gewisse Person an ging. Denn der Typ ist für sie wie eine Droge. Das kennen bestimmt viele Leute. Das es da eine Person gibt, wo man weiß das diese eigentlich wirklich Gift für einen ist und man trotzdem nicht los lassen kann. Denn egal was die Person gemacht hat, wie sehr man von ihr enttäuscht war, hängt trotzdem nicht ein das Herz an der Person. Man kann sie nicht los lassen. Egal wie schlecht es mit der geht. Doch dann erinnert man sich an die guten Zeiten. Und schon überwiegt wieder das positive  Man kann halt nicht wirklich los lassen. Es ist wirklich wie eine Hassliebe. Sie sagte dann auf einmal, dass es so wie bei mir ist mit der Spielsucht. Und nach ein paar Minuten machte es klick bei mir. Sie hatte recht.

Auf einmal löste sich eine Explosion so zu sagen in meinem Kopf aus. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass sich fast alle Knoten in meinem Kopf auflösten was die Spielsucht anging. Ich habe mich schon so oft an diesem warum? zu Tode gegrübelt. Wieso ich eigentlich zocke. Was mit mir nicht stimmt. Jeder Süchtige stellt sich diese ganzen Fragen. Welche immer ohne Antwort bleiben. Aber jetzt auf einmal wurde mir alles klar. Endlich hab ich es verstanden. Unvorstellbar. Selbst zwei Tage später kann ich es immer noch nicht begreifen. Wieso hat es jetzt erst so wirklich klick bei mir gemacht. Bisher hab ich noch nie dran gedacht die Sucht zu vermenschlichen. Denn jetzt kann mein Gehirn endlich was damit anfangen. In dem Augenblick als ich es akzeptierte kamen mir sogar das erste Mal Tränen vor Glück in die Augen. Das kann man sich nicht vorstellen. Alles in meinem Kopf überschlug sich. Denn jetzt bin ich endlich frei. Nun kann ich wirklich alles neu aufbauen. Ich begreife nun auch was die Kindheit und alles damit zu tun hat. Wo das alles wirklich schon bei mir angefangen hat. Das ist verdammt lange her. Wenn ich mich sogar zurück erinnere spielt sogar meine aller erste Erinnerung überhaupt da mit rein. Schon als Baby wurde mir keine Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn ich schrie oder irgendwas wollte, stellte meine Mutter mich einfach mit der Kindertrage raus auf dem Balkon. Sie packte mich zwar warm ein. Doch ich kann mich noch an die Kälte im Gesicht erinnern, mein aller erstes Bild. Ein grau weißer Himmel in der Ferne und der Wind an meinem Gesicht.

Meine Mutter ließ mich so lange draußen stehen bis ich ein schlief. Schon damals wurden also meine Bedürfnisse nicht wahrgenommen. Das ziehte sich auch durch meine ganze Kindheit. Egal welche schlimme Emotion ich hatte  wie zum Beispiel die tiefe Trauer um Blacky. Es war der Hund meiner Oma. Wir lebten damals eine Zeit bei ihr. Er war mein einziger Freund damals, der mir Zuneigung gab. Mir die Tränen weg leckte. Und eines Tages tot war, weil er vom Traktor überfahren wurde. Niemanden hatte es damals schon gekümmert wie es mir ging und heilte mein gebrochenes Herz. Der Riss ist immer noch verhanden. Eine Narbe auf der Seele.

Solche Schicksale kamen öfter bei mir vor, es entstanden so viele Narben auf meiner Seele. Alle kann ich nicht jetzt hier aufzählen. Das wären zu viele und ich würde so viele Zeilen hier schreiben. Doch das ist jetzt nicht Sinn und Zweck. Mir geht es aber um diese ganzen Narben. Das ist schon ein Grundpfeiler meiner Sucht. Mein ganzes Leben lang habe ich sie immer über sehen. Sie gar nicht wahr genommen, weil mein Herz nur aus Narben besteht. Doch dann entdeckte ich auf einmal die Automaten. Ich war mein Leben lang auf der Suche nach etwas, das den Schmerz lindert. Meine Narben versorgt und pflegt. Wenn nicht sogar heilt. Genau das gaukelte ich mir selbst vor mit den Automaten. Sie legten mir ein Pflaster oder Verband drüber. Das zocken gab mir den Anschein alles zu heilen. Obwohl es nur die Bandage darüber legte, die Narben und Wunden darunter blieben aber. Es bildete sich nur eine neue Schicht drüber. Eine Schicht die mir hilft nicht mehr verletzt zu werden. Nichts mehr an mir heran zu lassen. Dies betrieb ich zu lange, das ich es gar nicht wahr nahm mehr. Eine Illusion baute sich auf. Endlich war etwas für mich da gewesen. Es klingt zwar total bescheuert, aber ich bin meiner Sucht sogar dankbar. Das sie sich um mich gekümmert hat. Ich habe es jetzt erst verstanden, das sie mich beschützen wollte. Sie wurde nur zu stark. Denn durch diesen Schutz konnten die Wunden und Narben nicht heilen. Die Bandage drückte immer mehr drauf. Sie schnürte alles ab.

Worauf ich hinaus will ist diese Hassliebe. Die Sucht tut mir überhaupt nicht gut, sie zerstört sogar mein Leben sehr. Doch sie war und ist auch ein Teil von mir. Ich hab es verstanden sie endlich auch zu lieben, zu akzeptieren. Erst jetzt bin ich wirklich bereit die Abstinenz zu erreichen. Ich habe mein inneren Frieden gefunden. Auf einmal bin ich vollkommen ausgeglichen. Im buddhistischen würde man sagen ich habe mein Shanti erreicht.

Was ich jetzt nur machen muss, ist wirklich jede einzelne Bandage so zusagen herab zu nehmen. Nicht alle auf einmal, sonst reißt alles wieder auf. Ich kann die Narben und Wunden endlich ordentlich versorgen und packe nicht einfach mehr ein neues Pflaster drauf, wenn das Blut durch sickert.

Ich weiß nicht ob man es verstehen kann, was ich gerade mein. Warum es mir auf einmal so verdammt gut geht. Ich glücklich bin. Das kann man nicht so wirklich beschreiben. Doch für mich macht es ein Sinn und nur das zählt. Jetzt kann ich endlich nach Jahren anfangen zu leben. Richtig zu leben. Hat ja nur fast 30 Jahre gedauert. Obwohl es normalerweise eine Kleinigkeit ist. Und mir schon viel früher auffallen hätte müssen. Doch erst jetzt ist es wirklich bei mir angekommen. Lieber spät als nie.

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