Angehörigenseminar

Heute war ein komischer Tag und doch recht interessant, aber auch zu gleich sehr emotional. Denn heute fand das Angehörigenseminar statt. Das wussten wir alle schon lange. Man konnte und sollte auch seine Angehörigen einladen. Da ich aber nicht gerade viele habe, lud ich meine (ex) beste Freundin ein. Am Anfang wollte sie unbedingt kommen, doch das war vor meinen Rückfall. Inzwischen liegen wir auch in Streit oder besser gesagt schweigt sie mich an. Aber darüber hab ich schon berichtet. Ich hatte sie Anfang der Woche noch einmal gefragt ob sie nun kommt oder nicht, dass beantwortete sie mit ein klaren Nein. Das wusste ich die letzten Tage auch. Es war mir auch eigentlich egal gewesen. Doch das war es mir nicht. Ich habe heute früh gehofft und mir gewünscht das sie doch noch auftaucht. Ich wollte innerlich die Hoffnung noch nicht aufgeben. Denn ich dachte wirklich ihr liegt was an unserer Freundschaft bzw diese besondere Verbindung zwischen uns. Ich musste heute also erschreckend feststellen das meine ganzen Vermutung wohl doch stimmen. Das ich immer mehr gegeben habe als sie. Die Beziehung mir wichtiger war als ihr. Als das Seminar nun anfing verspürte ich wirklich große Enttäuschung und auch gleichzeitig ein wenig Wut. Es schmerzte mir auch sehr. Im Kopf hatte ich zwar schon damit abgeschlossen, doch emotional noch gar nicht. Auch jetzt noch nicht so wirklich.

Am Anfang vom Seminar ging es nur allgemein um die Aufklärung was überhaupt Sucht ist und die alles. Es war wirklich interessant. Nicht nur für uns sondern Rehabilitanen sondern auch für die Angehörigen. Nur bei der Vorstellung vom pathologischen Glücksspiel nicht so wirklich. Die Therapeutin die diesen Vortrag hielt war einfach nur schrecklich. Da haben wir mehr erfahren über Alkohol und Medienabhängige. Doch das ist wirklich nebensächlich. Als die ganzen Vorträge am Vormittag fertig waren, haben wir natürlich alle zusammen gegessen und danach ging es schon wieder weiter. Der zweite Teil des Seminar war aufgeteilt in Suchtentwicklung aus Psychologischer Sicht und Co Abhängigkeit.

Im ersten Teil wurde wirklich alles sehr genau erklärt. Auch ich habe etwas neues dabei gelernt. Der vortragende Therapeut machte es wirklich sehr gut. Er erklärte sogar die Zeit nach der Reha. Das wir Süchtigen wirklich aus zwei Seiten bestehen so zusagen. Einmal der Kopf und auf der anderen Seite die Emotionen, das Herz. Die Geschichte und das Beispiel dabei war richtig realistisch und ich erkannte mich selber teilweise darin. Ich möchte sie jetzt aber nicht erzählen, weil ich dabei bestimmt was vergessen würde. Das wichtigste dabei war wirklich das wir das zwar hier alles im Kopf schon verstehen und speichern und akzeptieren. Jedoch noch nicht mit den Herzen und den Emotionen. Wie war das wirklich ist. Ich merk es selbst bei der Sache mit meiner (ex) besten Freundin. Dort habe ich im Kopf wirklich schon abgeschlossen mit ihr, weiß das ich definitiv das Verhältnis beenden muss. Denn sonst schade ich mir selbst auf kurzer oder länger Sicht. Ich weiß auch noch nicht wie ich es ihr beibringen soll. Denn emotional halte ich immer noch fest. Mein Herz will nicht das es zu Ende ist, vorallem nicht ohne ihre Meinung darüber zu kennen. Obwohl es keine Rolle spielt. Mein Herz will noch nicht aufgeben. Schon für nicht süchtige Menschen ist es schwer Kopf und Herz zusammen zu bringen. Doch für Süchtige ist es wirklich noch schlimmer. Es ist sogar bewiesen. Das haben wir alles heute kennen gelernt. Einfach nur faszinierend. Ich würde jeden raten so etwas sich mal mit anzuhören. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Nun will ich zum zweiten Teil kommen. Die Co Abhängigkeit. Das hat mich wirklich sehr stark mitgenommen. Wahrscheinlich weil ich es falsch aufgenommen habe. Doch für mich klang es wirklich so, das es besser wäre sich von einem Abhängigen zu trennen. Nur das habe ich daraus genommen. Was eigentlich totaler Mist ist. Für mich jedoch nicht. Ich ticke anders. Denn das ist meine größte Angst. Ich will nicht das sich irgendjemand um mich Sorgen oder Gedanken macht. Das jemand in die Co Abhängigkeit gerät. Das könnte ich nicht verantworten. Was ich da alles in diesem Vortrag gehört habe. Das geht einfach nicht in meinem Kopf rein. Ich will lieber alleine bleiben, niemals eine Beziehung eingehen, weil ich denke oder weiß das es meine Partnerin schaden würde. Obwohl sie damit gar nichts zu tun hätte  Denn es ist schließlich meine Krankheit. Ich kann selber auf mich achten. Ich will doch nicht ihr irgendeine Last auflegen. Ich muss doch damit leben und nicht sie. Auch wenn ich mein restliches Leben Abstinenz bleibe und für mich selber die Verantwortung übernehme. Habe ich heute gelernt, das ich es nicht beeinflussen kann was sie fühlt und denkt. Das sie sich um mich Sorgen und Gedanken macht. Es wäre rein theoretisch ihre Entscheidung. Doch ich kann niemanden so etwas antun. Ich kann es nicht verstehen warum sich jemand das an tun würde. Ich will niemanden mit mein Leben belasten. Es geht einfach nicht in meinen Kopf rein. Es geht sogar gerade wieder so weit, dass ich am liebsten diese Verbindung zwischen mir und meinem Schwarm beenden will, obwohl es noch nicht mal angefangen hat. Doch ich will nicht das sie eine Co Abhängige wird. Auch wenn ich das sehr wahrscheinlich alles falsch aufgefasst habe. Es macht mir große Angst. Denn ich will das es ihr gut geht, sie glücklich ist. Ihr alles bieten und geben kann was sie verdient hat. Für sie da sein, ihr nur die positiven Seiten des Lebens zeigen. Sie in allen Sachen unterstützen, für immer hinter ihr stehen. Sie aufbauen können, ihr Leben begleiten. Ihr Liebe, Vertrauen und Geborgenheit geben. Für sie ein Zuhause später mal schaffen. Ein Rückzugsort bieten ihr diese Nestwärme geben. Und noch viel mehr. Aber ich will nicht das sie sich Gedanken und Sorgen macht. Es ihr vielleicht irgendwann mal wegen mir schlecht geht. Das habe ich sogar heute erlebt nach den ganzen Vorträgen. Da hatten wir heute Angehörigengespräch. Also eine Gesprächsrunde mit unseren Therapeuten, den anderen Angehörigen und uns. Auch wenn bei mir keiner dabei war, habe ich mich mit rein gesetzt. Weil ich wissen wollte was die Angehörigen denken und fühlen. Ich wollte auch wissen wie sie sich das antun können, warum sie für den Abhängigen da sind. Ihn unterstützen wollen. Sie aber nicht wissen wie. Bei einigen konnte ich es nach vollziehen, da es entweder die Eltern oder Kinder waren. Das konnte ich verstehen, wenn es die eigene Familie ist. Aber für mich trifft dieser Fall nicht ein. Denn ich habe keine wirkliche Familie. Dieses Gefühl kenn ich auch irgendwie nicht. Für mich ist immer so gewesen das ich mir um andere Sorgen um die Gedanken machen darf, aber auf gar keinen Fall anders rum. Weil ich so was auch noch nicht erlebt habe wahrscheinlich. Ich bin da wirklich ein besonderer Fall. Es waren aber auch in der Runde Partner dabei. Die den Süchtigen unterstützen wollen aus Liebe. Auch wenn es für sie gerade wirklich extrem schwer ist. Sie haben mir auch versucht die andere Seite zu zeigen. Das sie immer in Gedanken so zusagen mit hier drin sind. Ich hab es wirklich nicht verstanden und verstehe es immer noch nicht. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich will das meine zukünftige Partnerin ihr eigenes Leben haben soll und die Sucht mein Problem ist. Darauf hin antwortete mir die eine Angehörige, das es nicht das Problem des Süchtigen ist, sondern unser Problem. Dieses wir halt. Meine Partnerin und ich, also wir müssen damit leben. Ich kenn dieses Gefühl nicht. Auch wenn ich es mir wünsche, aber jedoch anders. Ich will das zum Beispiel meine zukünftige Partnerin  und ich eine  gemeinsame Zukunft haben, das wir alles schaffen. Egal was, aber nicht meine Sucht. Dafür bin ich immer alleine verantwortlich. Ich weiß nicht mal so wirklich wie ich es beschreiben soll. Bei mir ist das anders als bei anderen Menschen. Wie wurde es heute so schön gesagt, bei mir ist es eine Einbahnstraße, ich darf mir Sorgen und alles um andere machen, aber ja niemals andere um mich.

Wenn ich nochmal über alles nachdenke, bin ich wirklich komisch und überhaupt nicht einfach. Mit mir wird man es nie einfach haben. Ich bin so ein Buch mit 1000 Siegeln und Seiten. Mich wird wohl niemand so wirklich verstehen, ich kann es nicht mal selbst. Es ist irgendwie lustig, weil ich gerade über mich selber lachen muss und nicht mal weiß wieso.

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