Zwischenmenschliche Beziehung

Diese Woche haben wir in den Spielerstunden das Thema zwischenmenschliche Beziehung. Natürlich fragt man sich da erstmal was das mit Sucht zu tun hat. Doch wenn man genauer überlegt sehr viel. Denn man hat viele Beziehungen, wie zum Beispiel zu Arbeitskollegen,  Familie, Freunde, Sportkollegen und auch Liebesbeziehung. Durch die Sucht ist da auch sehr viel kaputt gegangen oder war sogar ein Grund zum zocken. Bei mir war es beides. Denn durch das Spielen habe ich viel mehr verloren, weil ich mich zurück gezogen habe. Ich habe mich förmlich desozialisiert. Früher waren mir andere Menschen wichtig, aber in meiner Suchtzeit waren mir alle anderen egal gewesen. Sie haben mich nur gestört und ich habe mir eingeredet das ich sie belaste oder ihre Probleme mir zu viel werden. Schließlich hatte ich so schön mit mir zu kämpfen. Das Zocken hatte mich völlig eingenommen. Ich ließ wirklich jede Beziehung links liegen, sogar die Beziehung zu mir selbst. Ich habe vergessen das mir dieses soziale Kraft gibt. Ich daraus auch was ziehen kann. Dadurch hätte ich auch Wertschätzung erlangt, was jeder auch braucht. Für mich gab es nur Arbeit und zocken. Die Arbeit habe ich immer mit Bravour gemacht und bin ein top Mann in meiner Firma. Aber das habe ich auch nur wegen dem Geld gemacht. Schließlich muss es ja irgendwo her kommen um mein Schatz den Automaten zu füttern. Damit er mir Glück,  Zuneigung, liebe und Entspannung bringen konnte. Ich hatte also nur eine Beziehung zur einer Maschine. Da war nichts menschliches mehr. Ich wurde Gefühlskalt. Also muss ich mir Gedanken machen wie ich das alles wieder auf baue. Ich muss wirklich wieder lernen was es heißt Beziehungen zu führen. Und nicht mehr denken, dass ich nicht mehr Beziehungsfähig bin. Also muss ich mich auch erst einmal neu sortieren. Meine ganzen Beziehungen überprüfen und heraus filtern wer oder was mir gut tut. Was ich wirklich will. Das ist der erste Schritt und ein sehr schwerer. Danach muss ich die verbleibenden Beziehung versuchen zu stabilisieren oder ihnen wieder näher kommen. Denn bei zwischenmenschliche Beziehung gibt es so zusagen drei Kategorien. Einmal die Distanz, wie nah oder entfernt dieses Verhältnis ist. Als zweites die Wertschätzung, wie wichtig die Beziehung ist. Als letztes die Dominanz, welche Partei so zu sagen die Nase vorne hat.

Als Beispiel für mich nehme ich einmal meine eigentliche beste Freundin. Die Distanz zwischen uns ist auch hier unterschiedlich. Denn für mich ist sie normalerweise die einzige Person in meinem Leben, welche konstant ist. Doch bei ihr scheint es nicht so nah zu sein. Wie es sich heraus stellt. Bei der Wertschätzung ist es auch nicht mehr gleich. Ich habe sie viel mehr Wertgeschätzt, weil ich es nicht anders kannte. Doch bei ihr ist sie nicht so hoch. Denn es muss nur nach ihren Bedürfnissen gehen. Ich war nur Mittel und Zweck. Bei der Dominanz sah es anders aus. Ich habe mich immer untergeordnet, weil sie die einzige ist die ich habe. Würde die Freundschaft kaputt gehen, dann habe ich zur Zeit keinen der mich auffängt. Deswegen war ich so abhängig von ihr, was sie auch weis. Aber bei ihr ist es anders. Sie hat immer die Oberhand, weiß ganz genau was sie machen muss um mich klein zu halten. Das ist ganz und gar nicht ausgeglichen. Nichts mit nehmen und geben. Es ist eine Einbahnstraße. Sehr wahrscheinlich hab ich es auch dazu gemacht, weil es mir nicht früher aufgefallen war. Ich musste immer für sie da sein, ihre Probleme stützen, für sie stark sein. Aber bei ihr ist es anders, wenn die Freundschaft kaputt geht, dann hat sie noch ihren Kerl und ihre Familie wer sie auffängt  Ich bin da leicht zu ersetzen. Sie war manchmal halt auch unterbewusst und manchmal bewusst ein Auslöser warum ich zocken gegangen bin. Sie tut mir auf Dauer nicht mehr gut. Denn unsere Beziehung kam dann immer ins schwangen, wenn ich mal eine schwache Phase hatte, denn dann musste es ja leider mal um mich gehen  Doch das wollte sie nicht und es krieselte. Nachdem letzten großen Streit, wollte sie mich sogar aus der Wohnung schmeißen. Ich sollte innerhalb von einer Woche ausziehen. Toller Rückhalt. Da habe ich schon gemerkt das geht nicht, aber ich gab klein bei und versuchte alles mögliche um es wieder hin zu biegen. Es kam alles von meiner Seite. Sie hat das Sagen, weil ich nur der untermieter bin und wir nicht mal ein richtigen Mietvertrag haben. Eine tolle Freundin. Wir sind zur Zeit Natürlich auch zur Zeit zerstritten weil ich in einer schwachen Phase bin. Ich habe sie am Montag gefragt ob sie zu den Angehörigen Seminar am Samstag jetzt kommt oder nicht. Ich hab ihr sogar gesagt das es mir wichtig wäre. Doch von ihr kam ein Nein. Sie will mich auf neutralen Boden treffen. Sie kann nicht hier her kommen und bla bla bla. Es geht halt nur wieder um sie. Als ich gefragt habe wann wir dann reden wollen, kam die Antwort wenn ich draußen bin nach der Reha. Damit sie gut da steht und die Oberhand hat und ich wieder in Verteidigungsmodus gehen muss.

All das ist mir vorher nie klar gewesen, erst nachdem ich mit meiner Therapeutin geredet habe und sie mir die andere Perspektive gezeigt hat. Was jetzt mit ihrem Verhalten sich nur bestätigt. Normalerweise sollte mich das extrem aufregen, wütend oder enttäuscht machen. Aber es ist nicht so. Denn von Tag zu Tag wurde mir alles klarer und ich bin aus der Verteidigung heraus gekommen gegangen. Ich bin selbstbewusster und stärker als je zu vor. Diese Sache mit ihr rührt mich kein Stück mehr, ich bin da wirklich kalt geworden,aber dafür viel klarer im Kopf. Also werde ich mir von hier drin eine Wohnung suchen und gleich in die neue Wohnung ziehen. Das werde ich ihr aber noch nicht sagen, da sie trotzdem noch die jetzige Wohnung gegen mich hat. Und wenn ich es ihr jetzt schon sage, dann denke ich wird sie mich gleich raus werfen und ich weiß nicht wohin mit meinen Möbeln und Sachen. Es klingt grausam aber das Mute ich ihr zu.

Doch um noch etwas anderes zu dem Hauptthema zu sagen. Ich überlege auch ob ich eventuell wieder eine Verbindung zu meinem Vater aufbaue, aber da bin ich mir noch nicht sicher. Das wäre zu viel auf einmal. Denn es ist einfach zu viel passiert zwischen uns und er müsste den ersten Schritt tun. Aber ich interessiere ihn nicht. Wir haben schon seit drei Jahren kein Kontakt mehr oder länger sogar. Ich steh halt wirklich alleine da. Verlassen und einsam im Leben. Es gibt nur noch eine Person die mir Kraft und Mut gibt. Mir zeigt das ich jemand bin und mich auch einfach so mag, ohne das ich was machen muss oder sie was dafür verlangt. Ich hoffe diese Beziehung kann ich wenigstens noch so lange halten bis ich draußen bin und die neue Wohnung habe. Auch wenn ich sie noch nie live gesehen habe. Gibt mir mein Schwarm so viel. Das kann ich gar nicht alles beschreiben. Ich bin dafür auch sehr dankbar. Denn sie hält mein Herz am schlagen für den Augenblick. Wie es weiter geht weiß ich auch nicht. Aber daran will ich nicht denken, zumindest jetzt noch nicht. Doch was sie mir bisher gegeben hat, würde auch reichen um alles alleine durch zu stehen. Denn sie will ich nicht belasten. Sie repariert mein kaputtes Herz und mein kaputten Kopf. Sie macht mich irgendwie wieder zu einem Menschen.

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