Ein emotionaler Tag

Heute war ein schrecklicher Tag für mich. Ich bin stolz auf mich selbst das ich so stark war. Denn nicht nur das mit meinem Schwarm hängt mir noch im Kopf, sondern auch der eine Mitrehabilitation aus meiner Gruppe. Darüber konnte ich gestern noch nicht sprechen. Ich musste es erstmal für mich behalten. Denn er war seit Mittwoch weg gewesen. Wir alle dachten er macht seine Familienheimfahrt wie nach Plan. Den er uns vorher auch mit geteilt hat. Doch selbst da hätte uns es auffallen müssen, weil er sich eigentlich selbst verraten hat. Doch wir haben es nicht gemerkt. Genauso wenig wie die Wochen vorher. Da hat er sich schon anders verhalten. Doch wir reden manchmal nicht in der Gruppe über unseren wahren Gefühle. Wir alle lassen hier nicht unsere Fassade fallen. Obwohl wir hier genau die Chance dazu hätten. Aber es fällt jeden schwer. Selbst mir, weil man seine eigene Fassade so viele Jahre perfekt aufgebaut hat. Und auch weiß wie man mit ihr umgeht. Selbst wenn sie zwischen drin mal bröckelt, wissen wir wie man sie schnell wieder aufbaut. Dafür sind wir Spieler bekannt. Wir sind die perfekten Schauspieler. Wir können unsere Gefühle sehr gut verstecken und den anderen was vor machen. Doch erstmal weiter. Denn der aus meiner Gruppe hat versucht sich um zubringen,weil er kein Ausweg mehr wusste. Denn die Sucht hat ihn immer noch fest im Griff. Er hat die ganze Zeit heimlich im online Casino gezockt. Er ist zwar wegen online Spielen hier, aber er konnte es nicht kontrollieren. Es gab für ihn kein Ausweg aus dem Teufelskreis. All das wusste ich schon gestern, weil mir es eine Vertrauensperson gesagt hat. Die Person wollte sich auch nur erleichtern und vertraute es mir an. Die Person sagte mir auch was passieren würde mit ihm. Und ich sollte sonst ihm ins Gewissen reden das er es macht, weil es seine einzige und dann letzte Chance ist. Doch von alle dem sollte meine Gruppe erstmal nichts erfahren. Es würde nur mir anvertraut, weil ich stark bin und das verkrafte und auch wahrscheinlich die einzige Person bin, die an ihn ran kommt. Dem er etwas vertraut. Wegen dem ganzen Zeug machte ich mir natürlich große Gedanken. Denn wie oft war ich schon in so einer Situation. Leider zu oft. Ich weiß was einem da im Kopf vorgeht. Wenn der Suizid der einzige Ausweg ist, und man keine andere Möglichkeit mehr sieht. Wie man sich die ganze Zeit selbst zerfleischt und dieser selbst Hass. Diese innerliche Wut gegen sich selbst. Diese eigenen Vorwürfe und Verzweiflung. Dieser innerliche Schmerz. So was versteht auch nur selbst ein Spieler. Denn das letzte Mal, als ich so verzweifelt war. Hielt ich mir schon eine schreckschussrevolver an den Kopf. Zum Glück hab ich nicht ab gedrückt. Und hab die Waffe aus meiner Wohnung entfernt. An der Stelle in meinem Leben war auch alles zu viel. Ich hatte wieder gezockt. Wirklich alles verloren. Mein ganzes Geld und mehr. Ich hatte dadurch auch mehrere verletzt. Doch das war mir egal. Wen ich damit weh tue, weil ich dachte sie wären ohne mich besser dran. Es wäre besser für die Welt, wenn ich nicht mehr existiere. Aus den Schulden und allem komm ich so wieso nicht raus. Auch die Angehörigen und alle anderen werden mich hassen, wenn sie erfahren das ich wieder alles verzockt habe. Ohne mich müssten sie dieses Leid nicht mehr ertragen. Ich sie alle nicht mehr belasten. Für sie wäre es nur ein kurzer Schmerz, doch irgendwann werden sie es verkraften und alle ein neues besser leben führen können. Es sind wirklich schreckliche Gedanken. Doch ein aussen stehender kann das nicht begreifen.

Als der Mitrehabilitant heute wieder kam, erinnert ich mich sofort wie es mir damals ging. Wie klein ich war. Er hatte zwar noch halb seine Fassade aufrecht, doch ich sah in seinen Augen diesen Schmerz und selbsthass. Diese Angst wie es weiter gehen soll. Doch er stellt sich diesen schweren Kampf, dafür Respektiere ich ihn sehr. Das er wirklich dagegen ankämpfen will. Er tat mir wirklich sehr leid. Ich sah auch seine Frau  wie sehr sie auch fertig war. Ich konnte es mir leider nur vorstellen was sie empfindet. Und bewundere sie, dass sie das alles mit durch steht. Als ich ihr das sagte, antwortete sie mir nur, ich liebe ihn. Diese Worte waren so emotional das ich es nicht mal richtig beschreiben kann. Man hat sofort gespürt wie sehr sie ihn liebt. Wie tief diese Verbindung ist. Wie sehr das Herz an ihm hängt. Es ist die wahre Liebe. Bis zu diesem Augenblick wusste ich nicht mal das es wirklich so was gibt. Doch man hörte auch den Schmerz heraus. So viel konnte man aus diesen drei kleinen Worten nehmen und erkennen. Ich sprach mit ihr auch noch weiter. versuchte sie irgendwie auch zu stützen. Denn sie war auch am Boden zerstört. Das will man wirklich nicht jemanden antun. Doch bei den beiden weiß ich  daß sie es schaffen. Meine Handy Nummer habe ich ihr gegeben  weil sie gerade auch keinen hat, mit dem sie über die Sucht und ihre Gefühle reden kann. Ich hoffe ich kann beiden irgendwie helfen. Es ist zwar nicht meine Aufgabe, aber ich kann nicht anders. Dafür bin ich ein zu guter Mensch und mache mir mehr Sorgen um andere.

Doch aus dieser Sache habe ich auch was gelernt. Es war die richtige Entscheidung gewesen diese Beziehung zwischen meinem Schwarm und mir sein zu lassen. Weil ich könnte so etwas keinem Menschen an tun. Auch wenn ich mich damit wieder verschließe. Zumindest meine Gefühle für Liebe. Doch dieses Risiko geh ich lieber ein, das mein restliches Leben einsam bleiben wird. Dafür habe ich aber andere schöne Dinge im Leben wieder erkannt. Für die sich es lohnen zu leben. Denn so wie ich bin oder hin will  liebe ich mich selber. Ich habe dadurch wahrscheinlich mein Glauben an mir selbst wieder gefunden. Dafür bin ich ihr über alles dankbar. Doch ich weiß nicht ob ich mit ihr nochmal in Kontakt kommen kann. Weil mein Herz doch noch für sie schlägt. Ich diese Gefühle niemals verheimlichen kann. Aber meine Angst davor ist zu groß. Ich will sie nicht belasten. Nur wenn ich sie freigebe, dann geht es ihr besser. Und mir irgendwann auch. Obwohl es wahrscheinlich lange dauern wird. Ich will sie lieber so in Erinnerung behalten wie es die letzten Wochen war. Das ist für uns beide besser. Vorallem für sie. In diesem Fall kann.ich noch nicht meine Fassade fallen lassen. Denn es schmerzt mir zur Zeit einfach zu sehr. Und ich lass da lieber die eine Seite von mir gewinnen. Auch wenn ich um sie kämpfen will im tiefsten inneren. Doch es ist wahrscheinlich einfach der falsche Zeitpunkt im Leben. Wie so oft auch. Dafür gibt es nie ein richtigen Zeitpunkt, aber damit habe ich mich abgefunden. Es ist nur schwer, weil mir jetzt wieder ein Part weg gefallen ist. Denn mit ihr war es so toll. Das erste Mal in meinem Leben  dass ich über Gefühle reden konnte und über allen anderen Mist. Ich muss aber lernen alleine damit umzugehen. Deswegen bin ich froh auf einer Seite das es jetzt passiert ist. Hier kann ich mich nämlich neu aufbauen.

Auch das mit meiner besten Freundin ist noch nicht geklärt. Es wäre wahrscheinlich auch hier sinnvoller es sein zu lassen. Das ich mich auf mich selber stützen muss. Wie meine Therapeutin schon zu mir sagte. Ich soll mir Gedanken machen, ob mir diese Beziehung noch gut tut. Doch das stellt sich erst nächstes Wochenende raus. Bis dahin kann ich noch viel nachdenken über alles und versuchen auf mich selbst wieder zu konzentrieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.