Wie sich der Teufel einschleicht

Normalerweise hätte ich heute ausschlafen können, doch um halb 8 war ich schon wach und konnte einfach nicht mehr schlafen. Obwohl ich mehrmals wieder die Nacht wach, fühlte ich mich ausgeruht und fit. Ich hatte ja auch einiges geplant für heute. Denn welche aus meiner Gruppe und ich wollten in die nächste größere Stadt fahren. Einfach mal wieder raus hier und was anderes sehen. So sind wir dann auch schon vor dem Mittagessen los gefahren. Wir haben uns erst geärgert, weil der Zug fast ne halbe Stunde später kam als es auf dem Fahrplan stand. Doch die Zeit haben wir gut genutzt und haben uns ein bisschen gesonnt. Es war auch perfektes Wetter gewesen, angenehm warm und purer Sonnenschein. Als der Zug dann kam, saß auch mein Lieblingskontroleur drin. Der fetzt mir einfach und mit dem hat man immer Spaß und gute Unterhaltung. Es war eine angenehme Fahrt.

Dann kamen wir am Zielort an und sind in die Innenstadt gelaufen. Schon auf den Weg haben wir richtig gut gelacht. Es kam uns vor wie so eine Geisterstadt, es fehlten nur diese Heuballen wie in Westernfilme. Die Innenstadt war aber dann gut besucht. Wir sind dann in die Mall gegangen und haben gebummelt und lustige Fotos gemacht, weil wir uns auch verkleidet hatten und einfsch nur Spaß hatten. Selbst die Verkäufer und die Passanten fanden uns lustig.

Danach waren wir bei Mc Donalds essen und sind dann durch die Stadt gelaufen. Man sah irgendwie nur irgendwelche Betrunkene oder gestörten Leute. Ich machte mich über alle lustig. Ich liebe es Menschen zu beobachten. Das könnte ich stundenlang machen.

Anschließend sind wir spazieren gegangen und wieder schöne Fotos gemacht. Es fühlte sich gut an, mal wieder in der richtigen Welt zu sein. Ich hätte mir auch irgendwie jeden Mist wieder kaufen können um etwas mehr Spaß zu haben. Doch ich hatte nur 20 Euro mit. Da musste ich wirklich kalkulieren und konnte mir nicht alles leisten, was ich gern hätte haben wollen. Da merkt man mal wieder, dass es mir immer noch schwer fällt Geld zu schätzen. Es ist für mich im Unterbewusstsein immer noch nur Spaß und Spielgeld. Das ist schrecklich. Hätte ich mehr dabei gehabt wäre es auch alle geworden. Es ist immer noch ein Zeichen, dass ich noch nicht so weit bin und mit Geld umgehen kann. Das hasse ich. Wieso kann ich mich nicht kontrollieren? Es ist alles irgendwie Bedürfniskontrolle. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an. Wie zum Beispiel das anzünden einer Zigarette erst wirklich auf der Raucherinsel an zu machen  und nicht vorher. Oder man nimmt sich vor nur die Viertel Tüte Gummibärchen zu essen und nicht alle. Das ist schwerer als man denkt. Doch es ist wirklich Bedürfniskontrolle und die verliert man immer sehr schnell. Für ein süchtigen sogar noch schwerer, denn bei uns ist im Blut drin, dass wir unsere Bedürfnisse immer sofort befriedigen wollen und dann sogar bis zum Ende. Wir können es schwer kontrollieren. Wenn ich irgendwas mache, muss ich auch wirklich immer darauf achten es nicht zu übertreiben. Das ist manchmal echt nervig, doch es muss sein. Ich will nicht nur immer alles extrem machen, sondern in gesunden Maß. Schon bei diesen Sachen schleicht sich immer der Teufel ein.

Heute Abend war es aber bei mir ganz schlimm. Meine Gedanken kreisten sich ständig. Und waren alle wirr. Doch die meiste Zeit ging es wirklich darum ob ich die Reha überhaupt brauche oder mich nur vor irgendwas verstecken will. Das ich nur weglaufen will vor meinen Problemen die draußen noch auf mich warten. Ich das hier doch nicht brauche, denn wenn ich draußen gewesen wäre, hätte ich mit mein Geld machen können was ich will. Ich muss mich nicht an irgendetwas halten. Dann ging es auch noch um die Gedanken ob ich die Reha verlängere. Was für mich eigentlich schon beschlossen ist, aber dann kommt dieser schreckliche Teufel in mein Kopf. Welcher zu mir sagte, du kannst nicht verlängern, da du eine Wohnung noch brauchst und wie stellst du dir das mit der Arbeit vor? Willst du eigentlich noch arbeiten oder hier nur Urlaub machen. Es ist doch verdammt schön mal keinen Verpflichtungen nach zu kommen. Und die Arbeit schaffst du doch jetzt auch nicht mehr. Denn schließlich wissen alle deine Arbeitskollegen von deiner Sucht und wahrscheinlich auch von deinem Rückfall. Die werden dich immer blöd angucken und dich ab jetzt anders behandeln. Genauso wie alle anderen Leute. Du wirst immer alleine sein, nur ich kann für dich da sein. Nur ich war immer für dich da und hat dich noch nie im Stich gelassen. Vertrau mir einfach, zusammen schaffen wir alles, wie so oft schon. Du darfst niemanden vertrauen und dich wird auch nie jemand verstehen. Geschweige denn lieben oder dir das Gefühl von Zärtlichkeit, Geborgenheit, Wärme oder Vertrautheit. Es gibt nur dich und mich und niemand anderen interessiert es wie es dir geht oder was du fühlst und denkst. Lass uns einfach nur irgendwohin abhauen, wo uns niemand kennt und uns so niemand verletzen kann. Überleben werden wir schon irgendwie. Wir sind doch nicht dumm.

All solche Gedanken und Lügen blagen mich so oft. Es ist wirklich so als Bestände ich aus mehreren Persönlichkeiten. Doch das darf man keinen sagen, sonst halten sie mich für verrückt. Manchmal kommt es mir so vor, als hätte ich drei oder vier Seiten an mir. Einmal diese böse und grausame Seite, was wie ein Monster ist. Und ich dieses Monster einsperre. Dann gibt es noch diese Liebe und soziale Seite an mir. Die Seite die ich haben möchte und sein will. Eine weitere Seite ist die Sucht, die mich kontrolliert und macht was sie will. Als nächstes diese neutrale Seite, welche ausgeglichen ist. Dann die Seite wo ich unter Menschen sein will und mit denen verrückte Sachen machen will. Dieses Gruppengefühl halt. Eine weitere Seite ist das ganze Gegenteil, welche die Einsamkeit liebt. Und mit niemandem was teilen will. Dann gibt es noch diese romantische Seite, wo ich die Zweisamkeit sehne und nach einer Familie. Die letzte Seite ist diese Schreibseite in mir. Irgendwie bin ich ein sehr ungleiche Typ. Den ich nicht mal selbst verstehe.

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